Wie entsteht eine Holzfigur? | Herstellung einer Holzschnitzerei erklärt | Holzfiguren2004
Wie entsteht eine Holzfigur?
Wie entsteht eine Holzfigur?
Holzfiguren faszinieren Menschen seit Jahrhunderten. Sie verbinden traditionelle Handwerkskunst mit Kreativität, Erfahrung und einer großen Liebe zum natürlichen Werkstoff Holz. Ob kunstvoll geschnitzte Heiligenfigur, Schutzengel, Madonna, Krippenfigur oder dekorative Holzfigur – jede Figur beginnt ihren Weg lange bevor der erste Span vom Holzblock fällt.
Bis eine fertige Holzfigur entsteht, sind zahlreiche Arbeitsschritte notwendig. Künstler, Modelleure und Holzbildhauer arbeiten oft viele Wochen oder sogar Monate an einem neuen Modell. Von der ersten Idee über das Modell aus Ton oder Plastilin bis hin zur fertigen Bemalung ist jeder Schritt entscheidend für die Qualität und den Charakter der späteren Figur.
Gerade hochwertige Holzfiguren unterscheiden sich deutlich von industriell gefertigten Dekorationsartikeln. Jede Figur trägt die Handschrift erfahrener Holzbildhauer und zeigt die jahrhundertealte Tradition der Holzschnitzerei, die besonders in Südtirol, im Grödnertal und in Bayern bis heute gepflegt wird.
Auf dieser Seite zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie aus einer Idee eine hochwertige Holzfigur entsteht und warum traditionelle Holzschnitzerei bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat.
Inhaltsverzeichnis
Die Idee einer neuen Holzfigur
Vom Entwurf zum Modell
Das Ton- oder Plastilinmodell
Der erste Prototyp
Die Auswahl der passenden Holzart
Der Pantograph
Vom Holzblock zum Schnitzrohling
Die eigentliche Holzschnitzerei
Schleifen und Feinarbeiten
Natur, gebeizt oder coloriert
Qualitätskontrolle
Warum jede Holzfigur ein Unikat ist
Häufige Fragen zur Herstellung
Die Idee einer neuen Holzfigur
Jede Holzfigur beginnt mit einer Idee. Oft entsteht diese aus jahrzehntelanger Erfahrung eines Holzbildhauers, aus religiösen Vorlagen oder aus historischen Darstellungen. Ebenso fließen Wünsche von Kunden, neue Gestaltungsideen oder aktuelle Trends in die Entwicklung neuer Figuren ein.
Besonders bei religiösen Holzfiguren ist eine genaue Kenntnis der traditionellen Darstellung wichtig. Jede Heiligenfigur besitzt typische Merkmale, sogenannte Attribute. Der heilige Florian trägt beispielsweise einen Wassereimer, der heilige Josef wird häufig mit dem Jesuskind oder einer Lilie dargestellt und Erzengel Michael erscheint meist mit Schwert und Drachen.
Bereits in dieser frühen Phase entscheiden Künstler über:
Körperhaltung
Gesichtsausdruck
Gewandführung
Proportionen
spätere Größe
gewünschte Ausführung
Der Entwurf bildet somit die Grundlage für alle weiteren Arbeitsschritte.
Vom ersten Entwurf zur Skizze
Ist die Idee entstanden, fertigt der Künstler zunächst zahlreiche Handskizzen an. Diese zeigen die spätere Figur aus verschiedenen Perspektiven und helfen dabei, Proportionen und Details festzulegen.
Dabei werden unter anderem folgende Fragen geklärt:
Wie soll die Figur wirken?
Welche Haltung vermittelt die gewünschte Aussage?
Wo befinden sich Hände und Arme?
Welche Falten wirft das Gewand?
Welche Symbole gehören zur Figur?
Welche Größe eignet sich am besten?
Oft entstehen mehrere Entwürfe, bevor sich der Künstler für die endgültige Variante entscheidet. Nicht selten werden einzelne Details mehrfach verändert, bis alle Proportionen harmonisch wirken.
Diese Phase verlangt neben künstlerischem Talent auch viel Erfahrung im Bereich der Holzbildhauerei. Schließlich muss bereits bei der Zeichnung berücksichtigt werden, welche Bereiche später aus massivem Holz geschnitzt werden können.
Das Ton- oder Plastilinmodell
Nachdem die Zeichnungen fertiggestellt wurden, beginnt der Modelleur mit der Anfertigung eines dreidimensionalen Modells.
Hierfür werden meist:
Ton
Plastilin
Modelliermasse
verwendet.
Diese Materialien lassen sich jederzeit verändern und ermöglichen es, auch kleinste Details exakt auszuarbeiten.
Nun entsteht erstmals eine räumliche Figur.
Dabei werden unter anderem ausgearbeitet:
Gesicht
Hände
Kleidung
Haare
Bart
Sockel
Attribute
Schmuckelemente
Erst jetzt zeigt sich, ob die geplanten Proportionen auch dreidimensional harmonisch wirken.
Gerade Gesichter erhalten in dieser Phase besonders viel Aufmerksamkeit. Schon kleinste Veränderungen an Augen, Nase oder Mund können den gesamten Ausdruck der späteren Holzfigur verändern.
Präzise Modellierarbeit bis ins kleinste Detail
Für die Modellierung kommen zahlreiche Spezialwerkzeuge zum Einsatz.
Dazu gehören beispielsweise:
Modellierschlingen
Modellierhölzer
Modellierzirkel
Lochschneider
Bossierscheiben
Ziehklingen
Silikonspachtel
Silikonpinsel
Modelliermesser
Mit diesen Werkzeugen können selbst feinste Details herausgearbeitet werden.
Während dieser Phase wird das Modell immer wieder kontrolliert, verändert und verbessert. Häufig arbeiten mehrere Künstler gemeinsam an einer Figur und bringen ihre jeweiligen Erfahrungen ein. Manchmal übernimmt jedoch auch ein einziger Holzbildhauer sämtliche Arbeitsschritte – von der ersten Idee bis zur fertigen Holzfigur.
Erst wenn das Modell vollständig überzeugt, beginnt der nächste Schritt auf dem Weg zur fertigen Holzschnitzerei.
Der Prototyp der handgeschnitzten Holzfigur
Sobald die Modelleure mit ihrer Plastilin-Figur zufrieden sind, wird sie an den Holzbildhauer weitergereicht. Dieser fertigt anhand des Vorbilds eine allererste handgeschnitzte Holzfigur. Dabei kann die Größe der Figur durchaus Einfluss auf die Wahl des zu verwendenden Holzes nehmen. So kommt neben Ahorn- und Lindenholz beispielsweise auch Zirbenholz in Frage.
Die breite Palette der benötigten Schnitzwerkzeuge umfasst Schnitzeisen und Schnitzmesser, Bildhauerbeitel und Schlegel. Stech- und Hohlbeitel kommen ebenso zum Einsatz, wie Kerbschnitzbeitel, Kerbschnitzmesser und diverse Ausführungen vom Gaißfuß. Zierschnitzeisen werden beim Herausarbeiten feinster Details verwendet.
Das Endergebnis ist der Prototyp einer vollkommenen Holzfigur, der zunächst in Bronze gegossen wird, um anschließend im sogenannten Pantographen der Vervielfältigung der Figur zu dienen.
Die Bedeutung des Pantographen
Der Pantograph ist ein mechanisches Präzisionsinstrument, mit dem man vorhandene Zeichnungen absolut identisch übertragen kann. Dabei kann die Übertragung im gleichen, im kleineren oder im größeren Maßstab erfolgen. Bei dem für Holzschnitzereien verwendeten Pantographen handelt es sich um eine große Maschine, die nun anstelle einer Zeichnung ein vorhandenes Bronzemodell abtastet und anschließend beliebig viele, identische Holzrohlinge produziert.
Das Holz stammt aus gesunden Stämmen des Ahorns, der Linde oder der Zirbelkiefer, die in Bretterform zugeschnitten für viele Monate zum Trocknen gelagert wurden. Das helle Ahornholz dunkelt kaum nach und ist sehr hart. Lindenholz ist weicher und wird gern für größere Figuren verwendet. Das noch weichere, rötliche Zirbelholz kommt bei kleineren Figuren oder geringeren Stückzahlen zum Einsatz. Bevor der Pantograph jedoch bestückt werden kann, werden die gut durchgetrockneten Bretter nochmals zu kleineren Holzklötzen zugeschnitten.
Vom Schnitzrohling zur charakterstarken Holzfigur
Der Pantograph arbeitet im Grunde wie eine Schnitzmaschine. Er fertigt Schnitzrohlinge in Form von Rohduplikaten, die anschließend von Hand nachgeschnitzt werden. Dabei arbeiten die Holzschnitzer feinste Details heraus, schleifen die Oberfläche glatt und widmen sich mit besonderer Sorgfalt den charakterstarken Gesichtern. Nicht selten verwenden sie dabei Schnitzeisen und Schnitzmesser, mit denen schon ihre Väter und Großväter gearbeitet haben. Der schwungvolle Faltenwurf eines Gewandes, die emotionale Mimik eines Gesichts oder eine spezielle Hand- und Körperhaltung, das intuitive Talent der Holzschnitzer steuert das Geschick ihrer Finger. Mit Feinfühligkeit und Geduld geben sie jeder Holzfigur den letzten Schliff. Danach sind die handgeschnitzten Figuren im Prinzip fertig und präsentieren sich nun zunächst in der Ausführung „Natur“.